Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2010

von Anna Pataczek

Paul Herwig nach der Premierenparty beim Theatertreffen. Foto: Kim Keibel

Paul Herwig ist heute Nachmittag mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis für seine Rolle des Johannes Pinneberg in “Kleiner Mann, was nun” ausgezeichnet worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde zum sechzehnten Mal vergeben. Geehrt werden junge Schauspieler oder  Schauspielerinnen, die in einer Inszenierung auf der Bühne des Theatertreffens zu sehen waren. Juror war in diesem Jahr war Schauspieler Bruno Ganz.

“Er lässt mich ins Innere sehen, in seines, in Pinnebergs und in meines”, begründete Ganz seine Wahl für den 1970 geborenen Paul Herwig. Sich zu entscheiden, schien ihm nicht einfach gefallen zu sein. Die Regisseure des diesjährigen Theatertreffens scheuten das Identifikatorische wie der Teufel das Weihwasser, beklagte sich der Juror. Stattdessen sah er: “Comedy, Chor und Kabarett”. Das habe ihm die Möglichkeit genommen, die Schauspieler zu beurteilen. (weiterlesen…)

Wieviel Zickigkeit können Sie sich leisten?

von Alexandra Müller

Die schlechte wirtschaftliche Lage, das fehlende Geld, die Krise: An allen Ecken und Enden ging es auch beim Theatertreffen darum. Persönlich betroffen sind fast alle, hier spricht nun eine, die das Thema “Produktionsbedingungen” ein Festival lang mit sich herumschleppte.

Es sieht schlecht aus. Aber das wissen wir doch, ruft es jetzt aus allen Richtungen. Sogar mein jugendlich-naives früheres Ich wusste es schon: Als die 17-jährige Alexandra M. sich damals im mittelhessischen Niederbieber dafür entschied, Schauspielerin werden zu wollen, sagte sie immer, wenn sie darauf angesprochen wurde: “Ich weiß, dass es hart ist, aber wenn man es wirklich will, muss man es tun. Meine Mama unterstützt mich da auch.”

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Privat:

von Mary Scherpe


Die Schauspielerin Eva Löbau am 14. Mai 2010 in ihrer Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg.

Die Fotografin Mary Scherpe besucht für uns Berliner Theatermacher.

Dageblieben!

von Kai Krösche

Natürlich weiß man im Theater vorher oft nicht, was man kriegt. Und wird dann auch mal negativ überrascht. Noch lange kein Grund, dem Abend den Rücken zu kehren: Denn damit setzt man sowohl für die anderen Zuschauer als auch sich selbst gegenüber ein Zeichen der Resignation. Eine Entgegnung zu Judith Lieres Plädoyer fürs Aufstehen und Rausgehen.

Eins vorweg: Es ist prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, vor dem Ende einer Aufführung das Theater zu verlassen. Vorausgesetzt, niemand – von den Schauspielern hin zu den anderen Zuschauern – bekommt das plötzliche Aufstehen und Verschwinden mit. Und vorausgesetzt, man behauptet nachher nicht, in dem Stück jemals dringesessen zu haben. Oder sich für Theater zu interessieren.

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Raus mit euch!

von Judith Liere

Theater ist immer ein wenig wie die berühmte Katze im Sack oder die überzititierte Forrest Gump’sche Pralinenschachtel: Ob man die Inszenierung, für die man Karten gekauft hat, dann schließlich mag oder nicht, lässt sich vorher nicht sagen, selbst wenn man den Regisseur und dessen Handschrift kennt. Was tun, falls man dem, was auf der Bühne passiert, nichts abgewinnen kann? Ganz klar: einfach abhauen!

In Nicolas Stemanns Inszenierung “Die Kontrakte des Kaufmanns”, die heute abend tt-Premiere feiert, ist das Rein- und Rausgehen ausdrücklich erlaubt. Anlass genug für ein Plädoyer fürs Aufstehen.

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Privat:

von Mary Scherpe


Die Schauspielerin Eva Meckbach am 12. Mai 2010 in ihrer Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg.

Die Fotografin Mary Scherpe besucht für uns Berliner Theatermacher.

Live-Ticker um den Preiskampf zum 3sat-Theaterpreis

von Redaktion tt-Blog

Am Samstag Abend wurde der 3sat-Theaterpreis verliehen – vor Publikum und live übertragen auf 3sat. In der Jury: Schriftstellerin Juli Zeh, Schauspieler Burghart Klaußner und die beiden Kritiker Tobi Müller und Christopher Schmidt. Ringrichterin: Tita von Hardenberg. Die Spielregeln: 60 Minuten Zeit um sich auf eine „herausragende künstlerische Leistung aus dem Kreis der zum Theatertreffen eingeladene Inszenierungen” zu einigen. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert – und ging an Annette Paulmann und Paul Herwig, die Hauptdarsteller in “Kleiner Mann – was nun?” in der Inszenierung von Luk Perceval.

Wir haben live mitgebloggt. (weiterlesen…)

Was ist “das mehr”?

von Alexandra Müller

Zwei Wochen lang arbeiteten Stipendiaten des Internationalen Forums mit Autor und Regisseur Hans-Werner Kroesinger an dokumentarischen Texten über die Genozide in Ruanda und Armenien. Eine dokumentarische Collage mit Eindrücken von dem Workshop “History counts”.

Donnerstag 20. Mai, Uferstudios, Berlin-Wedding. Ich betrete einen verwinkelten Raum in einem Seitenflügel und treffe gleich auf ein paar geschäftig herumwuselnde Theatermacher. Schüchtern stelle ich mich vor, man bittet mich, Platz zu nehmen. In dem langgezogenen Raum gibt es eine kleine Sofaecke und einige dunkelgrüne Spinde, über und über mit Aufklebern aus aller Welt verziert. Ein Ende des Raums ist durch eine Wand abgetrennt, ich kann aber durch ein großes Fenster in den anderen Teil hineinschauen. An den Wänden kleben Post-It-Wolken und Notizzettelreihen, auf denen lese ich unter anderem Auszüge aus Paragraphen, zum Beispiel: “Wer vorsätzlich einen Menschen tötet §211″. (weiterlesen…)