Wer kennt die Räume, in denen die Schauspieler im Rampenlicht stehen besser, als diejenigen, die diese Räume technisch einrichten? Die Blog-Fotografin Kim Keibel hat Techniker, Beleuchter, Bühnenarbeiter, Regieassistenten und andere gebeten, sich auf “ihren Bühnen” zu inszenieren. Den ersten Teil der Foto-Serie “Vor den Kulissen” finden Sie hier.
Artikel-Schlagworte: „Die Schmutzigen“
Questions About Representation
Say what you will about “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” (“Ugly, dirty, bad”), but don’t accuse Karin Beier of being naive. In her 2010 theater version of Ettore Scola’s 1976 neo-realist film about a shanty town family, Beier is fully aware that neo-realist methods are risky, if not suspect, in this day and age. In portraying the violence, adversity and sexual perversions of a very poor family, Beier seems to suggest that it is no longer possible to simply bare these terrors in an art context, that it is passé to merely represent them, to put “real life” (whatever that may mean) on stage.
Herzzahl: Prekär
Gesehen, gedacht, gepunktet. Direkt nach jeder tt-Premiere beurteilen wir die Inszenierung in vier Kategorien. Am nächsten Tag folgt eine ausführliche Kritik.
Heute: “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“
* FILMTREUE // ♥ _ _ _ //
* ZOOFAKTOR // ♥ ♥ ♥ ♥ //
* SPÄTRÖMISCHE DEKADENZ // _ _ _ _ //
* SPRACHBEHERRSCHUNG // ♥ ♥ ♥ _ //
Kurz danach: Sprachlos
Vorhang runter, Kamera an: die Videokritik, diesmal mit Kim Keibel und Alexandra Müller.
Kein “Sozialkritiktheater”
In ihrer Bühnenadaption des italienischen 1970er Jahre-Films “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” hält Karin Beier das Publikum auf Distanz: Die Bühne (Thomas Dreissigacker) ist durch eine schalldichte Glaswand vom Zuschauerraum getrennt. Auf der Spieler-Seite wird gedarbt, gewütet und gequält. Warum die Inszenierung die Armut einschließt, was Karin Beiers “Schmutzige” mit Ettore Scolas Film zu tun haben und wie das Schauspiel Köln sich über solche Inszenierungen ein Ideal-Publikum heranerziehen möchte, erklärt der Dramaturg Götz Leineweber.
Bunt, dreckig und ohne Moral
Karin Beiers Bühnenadaption von Ettore Scolas bitterböser Commedia all’italiana “Brutti sporchi e cattivi”, die unter dem Titel “Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen” Anfang des Jahres am Schauspiel Köln zur Premiere gebracht wurde, wird heute Abend zum ersten Mal im Haus der Berliner Festspiele gezeigt. Der Film, der der Inszenierung zugrunde liegt, spielt in Rom.
Hoch oben über der Stadt, den Petersdom stets im Blick, hausen sie, die Hässlichen, die Schmutzigen, die Gemeinen. Jenseits der öffentlichen Wahrnehmung leben der Patriarch Giacinto (Nino Manfredi) und seine unzähligen Familienangehörigen in einer schmutzigen Bruchbude auf kleinstem Raum, verdienen ihr Geld mit Diebstahl, Prostitution und der schmalen Rente der Großmutter und zerfleischen sich gegenseitig, bisweilen sogar im wahrsten Sinne des Wortes. In ihrer Moral-, Hemmungs- und Sittenlosigkeit sind die bunten und dreckigen Gestalten, die Ettore Scolas Film “Brutti sporchi e cattivi” (1976) besiedeln, der Bild gewordene Alptraum einer westlich-zivilisierten Gesellschaft – und zeitgleich deren logische Konsequenz: Wie der Müll der Großstadt, den die oft bis ins Absurde überzeichneten Figuren durchwühlen, sind auch sie selbst personifiziertes Abfallprodukt eines bürgerlich-kapitalistischen Verdrängungsprozesses, sind sie die wandelnde Schattenseite einer bis zur Negation der menschlichen Natur durchzivilisierten Gesellschaft. (weiterlesen…)

