22. Mai 2011 - 14:00 Uhr

Getting to know you: the Ballhaus and Heimathafen meet their audiences

The term “audience development” is a new one in Germany – so new, there’s not even one of those wonderful German compound words for it. But as the independent theater scene becomes a stronger presence, theatermakers like Shermin Langhoff of the Ballhaus Naunynstraße and Nicole Oder of the Heimathafen Neukölln are starting to ask themselves: Who is our audience? Who should our audience members be? And how do we find them?

Berlin is a surprising city to live in for an American theatergoer used to American audience sizes. The selling capacity of theaters in the United States, for the most part, just doesn’t compare. Germany hasn’t felt the need to think too much about its audiences, because its theaters are always full. And also because that’s not where they’re getting their money anyway.

As Berlin’s independent theater scene gets more and more visible, however, the voices of smaller, independent theaters that aren’t always full are getting louder. At the talkback after Verrücktes Blut at Ballhaus Naunynstraße, the “target audience” question was part of what made the discussion turn heated. Artistic director Shermin Langhoff sees the ideal Ballhaus audience as primarily existing of people with “migrant backgrounds,” which would make ita kind of by-of-for theater. In contrast, Nurkan Erpulat, director/co-author of Verrücktes Blut, sees the target audience as white, educated, middle-class. And everyone at the Ballhaus is opposed to the idea of targeting an audience of children or youth – something that the Augenblick mal! jury seemed to find very offensive during its talk last weekend. (A bi-annual festival of children and youth theater that runs concurrently with the Theatertreffen, Augenblick mal! also invited Verrücktes Blut to their festival this year. The Ballhaus turned them down.)

Only two years old, the Ballhaus has experienced a drastic audience shift after the opening of Verrücktes Blut in fall 2011, which received lots of press attention and praise. Weiterlesen »

22. Mai 2011 - 10:25 Uhr

Und grüß mir die Schwarzen

Christoph Schlingensiefs Via Intolleranza II ist weder Entwicklungshilfe noch Dokutheater, auch wenn eine Menge Afrikaner auf der Bühne stehen. Via Intolleranza II ist ein Gesamtkunstwerk, im Schlingensiefschen Sinne.

Von Ougadougou über Brüssel, Hamburg und München nach Berlin: Via Intolleranza II. Foto: Aino Laberenz

„Du kannst ihn lieben, so viel du willst, aber er ist kein guter Regisseur“, sagte vor vielen Jahren ein Freund zu mir. Doch ich selbst sehe mich noch heute außer Stande, auf Christoph Schlingensief und seine Inszenierungen die Kategorien „gut“ oder „schlecht“ anzuwenden. Er fällt bei mir noch immer durchs Bewertungsraster. Das spricht wohl gegen meine kritische Kompetenz, vielleicht aber auch für Schlingensief als Künstler. Denn ein Künstler war er, auch wenn er wie kaum ein anderer seine eigene Existenz dafür benutzte, und vielleicht macht das eine Bewertung so schwierig.

Via Intolleranza II, Christoph Schlingensiefs letzte Inszenierung vor seinem Tod, funktioniert auch ohne ihn. Schlingensief ist jetzt eine Rolle im Stück, gespielt vom langjährigen Crew-Mitglied, dem Schauspieler Stefan Kolosko. Der tut das hervorragend. Nie gibt er vor, Schlingensief zu sein, und doch schafft er es, unter den ganzen Abend eine Schlingensief-Spur zu legen.

Doch die Bühne gehört vordergründig den Schauspielern aus Burkina Faso. Via Intolleranza II beginnt mit burkinesischer Folklore, und man fühlt sich erst einmal wie auf einem interkulturellen Afrika-Abend des Goethe-Instituts. Oje, denkt man, das ist wohl ein Missverständnis. Doch auch Schlingensief denkt von Anfang an laut über die Zweifelhaftigkeit seiner Afrika-Produktion nach: Da veranstaltet er ein Schauspieler-Casting in Ougadougou, und von rund 400 Bewerbern dürfen zehn mit nach Europa. Dann ist das Boot voll. Was soll das eigentlich? Währenddessen sterben er und seine Mitarbeiter weg, das kanns doch wohl auch nicht sein. Was sind das auch für komische bunte Häuschen, die die Schwarzen da bauen? Und überhaupt, er versteht sie nicht, kann denn mal einer übersetzen? Weiterlesen »

22. Mai 2011 - 2:56 Uhr

Seitenrang links

Nach jeder tt Premiere bitten wir jemanden aus dem Publikum um ein kurzes Gespräch zur Inszenierung. Diesmal antwortete Marie Manteuffel, 26 Jahre, auf unsere Fragen zu Via Intolleranza II.

1. Warum wolltest du dir Via Intolleranza II anschauen?
Ich wollte sehen, wie dieses Projekt in Deutschland auf die Bühne gebracht wird.

2. Wie hast du die Karte bekommen?
Ich habe sie einem Freund abgekauft für 29 Euro, der heute nicht kommen konnte.

3. Was fandest du bemerkenswert?
Dass bei mir ein beklemmendes Gefühl ausgelöst wurde, das sich verstärkte, je länger der Abend wurde.

4. Was möchtest du von Afrika lernen?

Ich weiß nicht, was man überhaupt voneinander lernen kann. Das ist etwas frustrierend, dieser Abend macht es einem sehr deutlich. Lernen, die eigene Identität zu finden, in einer Gesellschaft, egal, wo man ist, dass man die eigene Identität ausleben kann.

21. Mai 2011 - 16:00 Uhr

Faust in Ethnic Drag?

C: The dog that plays Hitler’s German shepherd Blondie only plays himself. He is always universally a German shepherd. So a German shepherd is seldom cast as a poodle. [...]
S: Yeah, what would happen if a poodle was cast as Hitler’s Blondie?
C: Everybody would think that you were performing Faust.
(René Pollesch, Cappuccetto Rosso)

Be careful when you’re casting dogs – your audience will never see a poodle as a German shepherd. In his 2005 play, German playwright and director René Pollesch attacks representative theater for this oppression: women cannot appear as men; representation does not allow them political, social, or artistic equality.

With the rise of Berlin’s Ballhaus Naunynstraße, actors and directors with “migrant backgrounds” (see Cory Tamler’s post-migrant lexicon) have become increasingly visible. This poses a casting challenge to representative theater: can a person who looks “Turkish”  play classic “German” roles believably – I mean believable for white-bread, bourgeois audiences? Nobody questions the ability of Germans to perform the Russian “Cherry Orchard” or the American “Death of a Salesman” – even if I, as an American, do raise questions about too-random signs of Americana in Stefan Pucher’s production of Arthur Miller’s classic, for example. But something changes when a Turkish-German plays a “German” role…

Suddenly people ask the question Fadrina Arpagaus also notes in her post on the “post-migratory” friendliness of the 2011 Theatertreffen: What story is told when a Turk plays Faust?

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21. Mai 2011 - 14:00 Uhr

Abwesenheitsnotiz

Christoph Schlingensief kündigt sich für heute im Berliner Festspielhaus an – schließlich ist er eingeladen. Doch was zu ihm sagen, falls sich sein Geist materialisiert? Und wie über ihn reden, falls er unsichtbar bleibt?

Für Osama bin Laden galt „tot, lebendig oder photoshopped“, Christoph Schlingensief hingegen hat sich für seinen Auftritt am Theatertreffen noch für keine Form entschieden. Aber schon jetzt ist er da, ohne da zu sein: Er lässt sich vertreten (bei der Pressekonferenz von seiner Frau Aino Laberenz), doubeln (bei den Vorstellungen von Via Intolleranza II) oder jederzeit herbei reden, wenn das „postmigrantische Theater“ und die Jury-Entscheidungen keinen Gesprächsstoff mehr hergeben.

Ob sich sein Geist aber auch wirklich zeigt? Manifestationsmöglichkeiten gäbe es für ihn viele (schließlich sind wir im Theater), zum Beispiel als heiliger Geist oder böser Dämon, Zombie, Phönix oder gar als radioaktive Strahlung. Falls er sich für die Sichtbarkeit entscheidet, müssen wir uns nur noch überlegen, was wir zu ihm sagen – „Lange nicht gesehen“ wirkt zur Begrüßung wohl eher unpassend.

Wahrscheinlicher ist es aber, dass Schlingensief unsichtbar bleibt. Denn seltsamerweise scheinen sich gar nicht mehr so viele für ihn zu interessieren wie vermutet. Weiterlesen »

21. Mai 2011 - 12:30 Uhr

Via Intolleranza II * Christoph Schlingensief

21. Mai 2011 - 11:37 Uhr

Guttenbergs Intolleranza

Die Kritikenrundschau im Copy &Paste-Verfahren. Heute hat die im vergangenen Jahr von Christoph Schlingensief inszenierte und in diesem Jahr von Aino Laberenz weiter betreute “Via Intolleranza” Premiere.

“Die Produktion stand unter einem schlechten Stern.” Alles wird gut. Nur kurz. Dann erfahren wir nicht mehr viel über Luigi Nonos «Intolleranza 1960», das in manchen Ankündigungen noch von Schlingensief und seinem rund um das Operndorf zu Ougadougou und in anderen Zentren der Schlingensiefschen Einflusssphäre gecasteten Ensemble inszeniert werden sollte. Jetzt liefert das 1961 uraufgeführte Stück nur noch den Titel sowie ein bisschen ChormusikMan möchte es Christoph Schlingensief ja so gern recht machen als Zuschauer. Und man schämt sich, wenn man zwischendurch diese Mürrischkeit bei sich entdeckt, die mit dem Gefühl einhergeht, als Restmülleimer zu dienen. Noch peinlicher ist dieses ironische Ach-ich-verstehe-Zufriedenheitsgrinsen. Er weiss ja, was gut ist für den Schwarzen. Ein Theatermoment, der auch am nächsten Morgen noch Gänsehaut erzeugt. Schlingensiefs theatralische Analyse aber bleibt doch arg peripher, eher teilen sich in diesen 90 Minuten Ratlosigkeit und Zerstreutheit mit, ein Flickerlteppich der Befindlichkeiten, als dass man am Ende klarer sähe und leibhaftiger erfahren hätte, was auf unserem Globus gerade so entsetzlich falsch läuft. Selbst hier noch europäischen Blick zu entlarven, das ist schon spitze und verdient, was Schlingensief für Afrika und das Operndorf-Projekt in Burkina Faso fordert: sich raushalten. Mit einem Blankoscheck.

21. Mai 2011 - 11:00 Uhr

Chor und Tanz

Unter dem Motto “Check the Body, Theater Material Körper” arbeiteten 42 internationale Theatermacher der tt Talente-Plattform Internationales Forum zwei Wochen lang zusammen, um unterschiedliche Körperkonzepte kennenzulernen. Lars Wittershagen und Nik Haffner haben sich entschlossen für einen Tag ihre Workshops “Jede Stimme zählt!” und “Körper bewegt Körper” zusammenzulegen und die Kraft des Chores mit der Ästhetik der Bewegung zu vereinen.

 

20. Mai 2011 - 19:07 Uhr

Logik des Körpers

Unter dem Motto “Check the Body, Theater Material Körper” arbeiteten 42 internationale Theatermacher der tt Talente-Plattform Internationales Forum zwei Wochen lang zusammen, um unterschiedliche Körperkonzepte kennenzulernen. Im Workshop der argentinischen Performer Maricel Álvarez und Emilio García Wehbi aus Buenos Aires ging es anhand der Gemälde von Francis Bacon um die “Logik des Körpers“.

Theatertreffen – Internationales Forum 2011: “Logik des Körpers from theatertreffen-blog on Vimeo.

20. Mai 2011 - 13:42 Uhr

Unruheland Ungarn?

So titelte die März-Ausgabe von „Theater der Zeit“. Was denken ungarische Kritiker und Theaterschaffende, die über das Berliner Theatertreffen berichten, von den Vorgänge in ihrem Land? Ich treffe Krisztián Faluhelyi, der an der Eötvös Loránd Universität in Budapest über Brecht und Lars von Trier promoviert und für die ungarische Theaterzeitschrift „Színház“ schreibt, und die ungarische Theaterwissenschaftlerin und Humboldt-Stipendiatin Gabriella Kiss zu einem Gespräch.

Ungarn am Theatertreffen: Gabriella Kiss und Krisztián Faluhelyi. Foto: Fadrina Arpagaus

Katastrophenalarm aus Ungarn. Die neue Rechtsregierung um Viktor Orbán hat nicht nur das umstrittene Mediengesetz durchgesetzt, sondern soll auch einen richtigen Kahlschlag im Kulturbereich planen. Schon ist bekannt, dass der Etat des Nationaltheaters in Budapest um 1,5 Millionen Euro, also rund 20 Prozent des Budgets, gekürzt werden soll. Auch die freie Szene, die sich erst in den letzten zehn Jahren so richtig entwickelt hat, ist betroffen. Als ich Krisztián Faluhelyi nach den Vorgängen in seinem Land frage, erwarte ich Empörung, Wut, Aufstandsgedanken. Statt Katastrophen- aber erst einmal Fehlalarm: „Ich denke in vielen Hinsichten anders als die neue Regierung, ich habe eine eher linke Weltanschauung. Aber was das Mediengesetz betrifft, möchte ich mit einer Einschätzung noch etwas abwarten und schauen, was passiert. Ich halte den Aufruhr für übertrieben.“

Eine solche Antwort habe ich von einem Theaterkritiker nicht erwartet. Krisztián erklärt mir, warum er so gelassen ist: Noch ist in Ungarn vieles Gerücht. Niemand kann die Pläne der Regierung wirklich überprüfen. Und neutrale Sprecher gibt es gerade nicht, die Berichterstattung ist extrem politisch aufgeladen, und zwar von links wie von rechts. „Im Moment sehe ich weit und breit niemandem, dem ich vertrauen kann“, sagt Krisztián. „Und darum möchte ich weder auf die eine noch die andere Richtung einschwenken.“ Krisztiáns Kollegin Gabriella Kiss stelle ich die gleiche Frage: „Wie stehst du zum neuen Mediengesetz und den geplanten Kulturkürzungen?“ Ihre Gegenfrage: „Muss ich wirklich darauf antworten?“ Weiterlesen »

20. Mai 2011 - 10:44 Uhr

All Horse

I had the honor of meeting and speaking with Halito (16 years old, Arabian), a horse who has often appeared on stage and screen, by now cutting a familiar figure in the Berlin theater-going community. Halito played a small but stirring role in tonight’s staged reading of Mario Salazar’s “Alles Gold was Glänzt” (All That Glitters), the fifth and final play of this year’s Stückemarkt. “Alles Gold” won the Hörspielpreis at the 2011 Stückemarkt, and will be produced as a radio play in the spring of 2012 (off the record: Halito is playing coy about his ongoing negotiations for an expanded speaking part in this upcoming version).

Though Halito is quite voluble, your knowledge of ‘horse’ might not be quite sophisticated enough to follow all his answers to my questions in the video included here, so I have included a transcript of our conversation after the jump.

Interview with Halito the Horse, by Anna Deibele from theatertreffen-blog on Vimeo.

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20. Mai 2011 - 0:09 Uhr

Die Gewinner des Stückemarkts sind …

Juri Sternburg (Förderpreis für neue Dramatik), Anne Lepper (Werkauftrag) und Mario Salazar (Hörspielpreis)! Alle drei Preisgekrönten waren bei der Verleihung so verdattert, dass sie, sonst so sprachgewaltig, kaum einen Satz über die Lippen brachten. Weiterlesen »

19. Mai 2011 - 21:00 Uhr

Live-Blog zum Publikumsgespräch zu “Tod eines Handlungsreisenden”

Heute Abend stellten sich Stefan Pucher und sein Ensemble von der zum tt eingeladenen Inszenierung “Tod eines Handlungsreisenden” im Radialsystem den Fragen des Publikums. In unserer beliebten Serie “live-blog” sollten Sie ab 22.30 Uhr erfahren, worüber diskutiert wird. Da der kabellose Netzzugang die Spielstätte aber bereits den ganzen Tag im Stich gelassen hatte, musste auch ich das Blog offline schreiben. Und im Nachhinein hochladen.

22:40: Ein handvoll Enthusiasten sind von einem zahlreichen, eher bürgerlich-gesetzten Publikum übrig geblieben. Mit einer leichten Verspätung geht das Publikumsgespräch los. Der Moderator Tobi Müller kommt auf den Song “I’m set free” von Velvet Underground zu sprechen, der am Ende von allen Schauspielern musiziert und gesungen wurde.

22:43: Der Regisseur Stefan Pucher versteht den im Song als eine Art Befreiungsschlag. Das gemeinsame Musizieren wäre auf jeden Fall eingeplant gewesen, aber so recht wussten alle nicht wohin damit: “Man trifft sich halt, man macht Musik!” Ist leider auch so angekommen. Die Musikszene banalisiert das Ende und zwar unnötig.

22:45: Tobi Müller meint, im Stück die Wirtschaftskrise wieder erkannt zu haben. Pucher sieht darin eher die Verarbeitung seiner Englisch-Leistungskurs-Traumas. Das Stück kam ihm damals wahnsinnig düster vor: “Als würde man Krebs kriegen davon!” Inzwischen sieht er “Den Handlungsreisenden” als ein paranoid positives Stück mit einer wahnsinnigen Energie von Aufbruch. Deswegen auch der Song am Ende letztendlich als Entspannungsszene für die Protagonisten gedacht. Publikum lacht.

22:48: Tobi Müller: Die Loman-Brothers unterscheiden sich nur wenig von den Lehmann-Brothers und den Menschen der 50er und 60er Jahre. Pucher entgegnet, wenn er in Berlin-Prenzlauerberg sei, wundere er sich immer über die neuen Geschäfte und frage sich, wer da immer die neuen Geschäftsideen hat. Da sei ja schon vorprogrammiert, dass die eingehen werden. Weiterlesen »

19. Mai 2011 - 17:00 Uhr

Alles Gold was glänzt * Mario Salazar